Mag.rer.soc.oec. Mag.phil. Yasmin El-Hariri

Sprachenlernen in Online-Tandems. Potenzial und Herausforderungen aus der Perspektive der Lernenden

Betreuung: Eva Vetter
Zeitraum: 2014–2017
Kontakt: yasmin.el-hariri@univie.ac.at

Sprachenlernen im Tandem ist ein non-formaler Lernansatz, bei dem jeweils zwei Lernende die (eine) Sprache der anderen Person von- und miteinander lernen. Basierend auf den Prinzipien der Gegenseitigkeit und der Lernendenautonomie übernehmen Teilnehmende an einem Sprachtandem die Verantwortung sowohl für das eigene Lernen als auch für das des Gegenübers. Im Unterschied zu den zunächst vorherrschenden Face-to-face Tandems, bei denen sich die Beteiligten physisch treffen, ermöglichen Online-Tandems bzw. eTandems einen Austausch auch über große Entfernungen.

Die vorliegende kumulative Dissertation widmet sich den Fragen (a) inwiefern eTandems einen Beitrag zum Sprachenlernen leisten können und (b) welche Rolle konstruktivistische und motivationstheoretische Aspekte in dieser Hinsicht spielen. Ausgangspunkt für die Untersuchungen bilden drei eTandemprojekte an der Universität Wien. In fünf Publikationen werden die Lernenden in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gestellt, indem sowohl Potenzial als auch Herausforderungen dieses Lernansatzes aus unterschiedlichen Lernendenperspektiven erforscht werden: Publikation 1 widmet sich den Einstellungen und Erwartungen von Deutschlernenden in Kolumbien bezüglich des Sprachenlernens im eTandem. Publikation 2 nimmt generelle Erfahrungen kolumbianischer Lernender, die in weiterer Folge an einem eTandem-Austausch teilgenommen haben, unter die Lupe. Die Publikationen 3 und 4 tauchen dann tiefer in die Erfahrungswelten der Teilnehmenden ein und beschäftigen sich einerseits mit dem Thema Aufgabenentwicklung für eTandems aus der Sicht von Lernenden, andererseits mit dem Potenzial von eTandems, Angst beim Lernen und Verwenden einer Sprache zu reduzieren. Im letzten Beitrag (Publikation 5) werden Konversationen in eTandems im Hinblick auf Sequenzen des Nichtverstehens analysiert.

Die Ergebnisse aus den einzelnen Studien lassen darauf schließen, dass eTandems auf unterschiedlichen Ebenen einen Beitrag zum Sprachenlernen leisten können. Neben der Überwindung physischer Distanzen ermöglichen sie gleichberechtigte Lernszenarien, in denen die Teilnehmenden selbstbestimmt und durch soziale Interaktion mit anderen – kompetenteren – Sprechenden ihre eigenen Kenntnisse erweitern, vertiefen und verfestigen können. Diese Aspekte, die gleichzeitig die Grundpfeiler konstruktivistischer Lerntheorien darstellen, sind in den untersuchten Fällen ausschlaggebend für einen gelungenen eTandemaustausch. Darüber hinaus tragen diese Aspekte dazu bei, dass die Teilnehmenden mit weniger Druck und Angst, dafür mit mehr Freude neue Sprachen lernen.