Sabine Freudhofmayer, BA MA

Betreuung: Barbara Schneider-Taylor †
Zeitraum: 2017-2021
Kontakt: sabine.freudhofmayer@univie.ac.at


Seit Beginn des 21. Jahrhunderts zeichnen sich deutliche Veränderungen im Bereich der Hochschulorganisation ab, die sich in der Form einer ökonomischen Rationalität vollziehen. Diese findet ihren Ausdruck in der kontinuierlichen Evaluation von Hochschulen und daran anschließenden Rankings, die ein Wettbewerbsfeld um die besten Plätze konstituieren. Daneben bilden die Kreierung von Leitbildern und Profilen, der Aufbau hierarchischer Entscheidungsstrukturen oder Instrumente der Zielvereinbarung zur leistungsgebundenen Mittelvergabe weitere Merkmale, die auf die Durchsetzung von Wettbewerbsstrukturen in den Universitäten verweisen.

In diese Entwicklungen einzuordnen ist die Umsetzung des sogenannten Bologna-Prozesses im Bereich der Hochschulbildung. Durch die Einführung von gestuften Studiengängen in Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme, eines europaweit einheitlichen Leistungsbewertungssystems (ECTS) und Maßnahmen der Qualitätssicherung wie Evaluationen im Bereich der Lehre wurden Strukturelemente in die Studienorganisation implementiert, mit welchen das Ziel einer erhöhten Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit europäischer Hochschulsysteme angestrebt wird. Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive stellt sich die Frage, welche Konzeption von universitärer Bildung der nach ökonomischen Rationalitätsprinzipien gestalteten Studienstruktur zugrunde liegt. Dieser Zusammenhang ist in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion bislang theoretisch breit entfaltet, empirisch allerdings kaum untersucht worden.

In dem vorliegenden Dissertationsprojekt werden deshalb Erfahrungen von Studierenden, die von den Veränderungen im Bereich der Hochschulbildung zentral betroffen sind, zum Gegenstand der Untersuchung. Aus zwei verschiedenen Blickwinkeln werden ihre Erfahrungen beleuchtet: Zum einen wird aus einer biographieanalytischen Perspektive gefragt, in welcher Weise Studierende ihre Bildungsverläufe und biographischen Erfahrungen im Kontext eines nach der Bologna-Architektur konzipierten Studiensystems (re-)konstruieren. Zum anderen wird der Fokus auf den gemeinsamen Erfahrungshintergrund der Studierenden gelegt und die Frage verfolgt, welche kollektiven Orientierungen Studierende in der Auseinandersetzung mit studienstrukturellen Rahmenbedingungen ausbilden und welche Handlungspraktiken sich darin dokumentieren.

Um diese beiden Fragestränge methodisch zu bearbeiten, werden biographisch-narrative Interviews und Gruppendiskussionen mit Bachelorstudierenden der Erziehungs- und Bildungswissenschaft an einer österreichischen und einer deutschen Universität durchgeführt. Die Auswertung der Daten erfolgt nach den methodologischen Grundsätzen und Verfahren der rekonstruktiven Sozialforschung. In der Analyse der lebensgeschichtlichen Interviews wird in Anlehnung an die Narrationsanalyse vorgegangen, die Gruppendiskussionen werden in Bezugnahme auf das Auswertungsverfahren der Dokumentarischen Methode bearbeitet.