Mag. Christina Bazant-Kimmel

Chinesische Texte lesen lernen: Aktionsforschend begleitete Entwicklung und Erprobung eines didaktischen Konzepts zur Schriftsprachlichkeit chinesischer Gebrauchstexte

Betreuung: Richard Trappl, Eva Vetter
Zeitraum: 2013–2017
Kontakt: christina.bazant-kimmel@univie.ac.at

Nicht nur aufgrund des morphosyllabischen Schriftsystems, sondern vor allem wegen des schriftsprachlichen Stils stellt der Anspruch, authentische chinesische Gebrauchstexte auf fortgeschrittenem Anfängerniveau global zu verstehen, eine besondere Herausforderung dar.
In diesem Forschungsprojekt wurde ein didaktisches Konzept entwickelt, welches mittels authentischer alltäglicher Textbeispiele die Aufmerksamkeit der Studierenden auf typische schriftsprachliche Funktionswörter lenken und deren Verarbeitung zu sinnvollen Bedeutungseinheiten auf Phrasen- und Satzniveau trainieren soll. Ziel ist es, durch das rasche Erkennen dieser typischen schriftsprachlichen Strukturen bereits auf A2-Niveau an den Umgang mit authentischen alltäglichen, aber auch akademischen, chinesischen Gebrauchstexten heranzuführen.

Die praktische Anwendung des didaktischen Konzepts wurde im Rahmen der Aktionsforschung in mehreren Zyklen erforscht, in denen folgende Datenerhebungsmethoden verwendet wurden: schriftliche Reflexionen des Unterrichtsgeschehens in Form eines Lehrerinnentagebuchs (unterstützt durch Audioaufnahmen von Gruppendiskussionen) und Feedback-Fragebögen der Studierenden. Die Daten wurden mit überwiegend qualitativen Methoden analysiert, und die Ergebnisse flossen in den jeweils folgenden Unterrichtszyklus ein. Weiters wurden zwei Quasi-Experimente in Form einer selbstständigen Problembearbeitung durch die Studierenden durchgeführt, deren Daten einmal mittels Videoaufzeichnung der Gruppenarbeit und einmal durch das Sammeln von Studierenden-Arbeitsblättern erhoben wurden.

Durch die hohe Vorhersagbarkeit gewisser schriftsprachlicher Strukturen konnte eine gewisse Automatisierung der Verarbeitung von immer wiederkehrenden Bedeutungseinheiten erreicht werden, die weitere Bedeutungskonstruktion muss aber über bewusst gesteuerte Strategien, wie z. B. gezielter Wörterbucheinsatz, erfolgen. Besonders wichtig bei der Arbeit mit authentischem Lesematerial ist die Bewusstmachung und Reflexion der Bedeutungskonstruktionsprozesse, da das Chinesische aufgrund der fehlenden sichtbaren Wortsegmentierung und des hohen Grades an Polysemie bei Lernenden leicht zu „Sackgassen“ führen kann.